Die heurigen pädagogischen Fachtagungen standen im Zeichen des Kinderschutzes. Die große Resonanz und die intensiven Diskussionen haben gezeigt: Kinderschutz ist kein Zusatz zur pädagogischen Arbeit, sondern ein zentraler Bestandteil professionellen Handelns. Besonders dann, wenn Kinder, Familien und Fachkräfte mit Krisen, Belastungen und Unsicherheiten konfrontiert sind.
Elementarpädagogische Fachkräfte begleiten Familien nicht nur in Phasen von Entwicklung und Wachstum, sondern auch in schwierigen und belastenden Lebenslagen. Familiäre Konflikte, Verdachtsmomente im Kinderschutz von Kindeswohlgefährdungen, schwere Erkrankungen oder gesellschaftliche Krisen stellen hohe Anforderungen an alle Beteiligten. In solchen Situationen erschwert Stress oft das rationale Denken und das sorgfältige Abwägen von Entscheidungen. Umso wichtiger sind Austausch, Orientierung und tragfähige Strukturen. Niemand sollte komplexe und emotional herausfordernde Entscheidungen allein treffen müssen. Mit einem von der Volkshilfe Steiermark in Kooperation mit der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum entwickelten Planspiel konnten pädagogische Fach- und Führungskräfte in geschütztem Rahmen üben, wie sie in schwierigen Kinderschutz-Situationen sicher und professionell handeln. Begleitet wurde die Tagung von Mag. Michaela Nutz, die die Inhalte mittels "Graphic Recording" verarbeitet hat.
Die Fachtagungen widmeten sich der zentralen Frage, was professionelles Handeln in Krisen ausmacht. Deutlich wurde dabei: Handlungskompetenz entsteht aus dem Zusammenspiel von Wissen, Können und Haltung und wird durch Vernetzung nachhaltig gestärkt. Fachlicher Austausch erweitert Wissen und gemeinsame Reflexion erhöht die Handlungssicherheit. Ganz im Sinne des Leitsatzes „In Krisen Köpfe kennen“ wurde deutlich, wie wertvoll persönliche Netzwerke und ein starker fachlicher Zusammenhalt für professionelles Handeln sind.
Auch Tageseltern leisten in diesem Zusammenhang einen wesentlichen Beitrag und sind wichtige Partner:innen im Kinderschutz. Sie begleiten Kinder über längere Zeiträume als wichtige Bezugspersonen, nehmen Verhalten wahr und und pflegen eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern. Diese besondere Position ermöglicht es ihnen, Sorgen oder Unterstützungsbedarf früh zu erkennen, diese einzuordnen und Hilfsprozesse in Gang zu bringen.
Dabei spielt eine respektvolle Bildungspartnerschaft eine zentrale Rolle: Familien sind eher bereit, Hilfe anzunehmen, wenn sie sich verstanden und respektiert fühlen.
Barbara Porotschnig, Leiterin Fachbereich Kinderbildung und -betreuung, ist überzeugt: „Schon der Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau wusste: ‘Das Meer fasziniert, weil es uns zwingt, gemeinsam zu handeln.‘ Ob auf rauer See oder bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung – sicheres Handeln erfordert Übung. Am besten gelingt dies abseits eines akuten Ernstfalls in einem geschützten Raum. Mit unseren Fachtagungen wollen wir genau diesen Rahmen bieten. Unser Ziel war es, einen Lernraum zu schaffen, von denen Fachkräfte und Kinder gleichermaßen profitieren. Denn: Wir sind die Profis, auf uns ist Verlass - auch in stürmischen Zeiten!“