Das Modell der Tageseltern in gemeindeeigenen Räumlichkeiten, das in der Steiermark seit 2023 gesetzlich verankert ist, verbindet die familiäre Qualität der Tageselternbetreuung mit der strukturellen Stärke öffentlicher Infrastruktur. Gemeinden können geeignete Räume bereitstellen, in denen bis zu acht Kinder von maximal zwei Tageseltern gleichzeitig betreut werden. Dieses überschaubare Setting schafft eine besonders persönliche, stabile und bindungsorientierte Betreuungssituation – ein zentraler Faktor für die frühkindliche Entwicklung.
Flexibel für Familien, wirksam für Gemeinden
Für Familien bedeutet das Modell vor allem Flexibilität und Verlässlichkeit. Tageseltern gestalten einen familienähnlichen Alltag mit klaren Strukturen, wiederkehrenden Ritualen und individueller Zuwendung. Freies Spiel, Bewegung, Ruhephasen und gemeinsames Lernen wechseln sich ab und orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder. Besonders für Kinder unter drei Jahren oder mit erhöhtem Betreuungsbedarf entsteht so ein geschützter Rahmen, der Geborgenheit und Entwicklung gleichermaßen fördert.
Auch Gemeinden profitieren: Betreuungsplätze können vergleichsweise rasch und kosteneffizient geschaffen werden, ohne lange Vorlaufzeiten klassischer Einrichtungen. Bestehende Räumlichkeiten lassen sich nutzen oder adaptieren, wodurch Kommunen flexibel auf steigenden Bedarf reagieren können. Gleichzeitig arbeiten Tageseltern in professionell ausgestatteten Räumen in einem Angestelltenverhältnis mit höherer sozialer Absicherung – bei weiterhin großer pädagogischer Freiheit.
Best Practice: Pöls-Oberkurzheim zeigt, wie es geht
Wie erfolgreich dieses Modell umgesetzt werden kann, zeigt die Gemeinde Pöls-Oberkurzheim. Aufgrund einer fehlenden Kinderkrippe entschied man sich 2023 für das damals neue Konzept. Gemeinsam mit der Firma Heinzel Pöls wurde die Idee weiterentwickelt und mit der Volkshilfe als erfahrene Betriebsführerin umgesetzt. In angemieteten Räumlichkeiten konnten bereits ab dem ersten Tag der gesetzlichen Möglichkeit Kinder von ortsansässigen Familien sowie von Mitarbeiter:innen des Unternehmens betreut werden.
Zwei Tagesmütter kümmern sich liebevoll um zehn „Papierzwerge“ in einer echten Wohlfühl-Oase. Das ehemalige Direktionshaus der Firma Heinzel bietet zwei Gruppenräume, zwei Ruheräume, eine große Wohnküche mit frisch gekochter Verpflegung, Sanitärräume sowie einen eigenen eingezäunten Garten mit Spielgeräten. Die zentrumsnahe und zugleich idyllische Lage unterstreicht den familiennahen Charakter. Besucher:innen bezeichnen solche Standorte nicht selten als „kleinste Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen“, da sie in Struktur und Ausstattung einem Kindergarten ähneln.
Ein Modell mit Zukunft
Die Erfahrungen aus Pöls-Oberkurzheim und weiteren Standorten zeigen deutlich: Tageseltern in gemeindeeigenen Räumlichkeiten sind ein Erfolgsmodell für Gemeinden, Familien sowie pädagogische Fachkräfte – und in diesem Fall auch für Unternehmen. Es ist mehr als eine organisatorische Neuerung: ein zukunftsweisender Ansatz, der Betreuung neu denkt und die Bedürfnisse von Kindern und Familien in den Mittelpunkt stellt.