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Sozialzentrum Südoststeiermark

Beim Altwerden jung bleiben

Renate Maurer und Elisabeth Schauer sind Alltagsbegleiterinnen in der Südoststeiermark. Im Folgenden geben sie einen Einblick in ihre verantwortungsvolle Arbeit, bei der es oft darum geht, die Kunden und Kundinnen zu ermutigen.

„Bei der Ausbildung zur Alltagsbegleiterin, sagte unsere Lehrbeauftragte oft: ‚Am besten helft’s, wenn’s die Händ beim Arbeiten eing‘steckt hobt’s!‘
Erst dachten wir, sie macht einen Witz, doch sie hat es ernst gemeint und uns auch erklärt, worauf es ankommt. Wir in der Betreuung bzw. Begleitung glauben oft, wir müssen Hilfe leisten, damit es schneller geht oder leichter für den Kunden ist, jedoch tut man nicht immer was Gutes für den Menschen.“
Denn wie es schon in Markus Hirtlers berühmten Kabarett Die Ermi-Oma heißt:
„Wir helfen gern – doch nur bei Sochen, dei ihr wirkli allan net mehr schofft’s.“

Aber herauszufinden, wo man sich besser zurücknimmt und „nichts tut“, ist nicht immer ganz leicht. Aus ihrer praktischen Erfahrung wissen die Alltagsbegleiterinnen, dass ältere Menschen so lange wie möglich ihre Selbständigkeit behalten wollen, dabei aber auch möglichst wenig Veränderung in ihrem Alltag wünschen. Gedächtnis- und Bewegungsübungen werden zum Beispiel viel besser angenommen, wenn sie in den Alltag eingebaut werden. Als Training per se werden sie oft mit dem Satz abgelehnt: „Das hat man früher auch nicht gebraucht.“

Wenn es allerdings darum geht, in Kochrezepten die Mengenangaben umzurechnen, ist so manche Kundin mit Eifer dabei, wissen Elisabeth Schauer und Renate Maurer:
„Wie viel brauche ich für zwei Personen, wenn das Rezept für vier Personen ausgelegt ist? Wie viel Gramm sind 15 dag? Wie viele Minuten sind es, wenn eine halbe Stunde Kochzeit angegeben wird? Das alles sind Fragen die dann die grauen Zellen anregen.“
Und die Konzentration und Feinmotorik wird automatisch geschult, wenn beispielsweise Äpfel oder Kartoffeln geschält werden müssen und man sich dabei bemüht, die Schale möglichst nicht abzubrechen.
Sehr gerne tauscht man sich auch über alte Kochrezepte oder Brauchtümer aus. „Da geht es dann um so köstliche Sachen wie Allerheiligenstriezel, Andreasbrot, Krapfen backen“, erzählen die engagierte Alltagsbegleiterinnen. „Ja, und ältere Menschen kennen auch noch die Bedeutung bestimmter Lostage, wie zum Beispiel Maria Lichtmess, und sie können über ihre Kindheit und Jugend erzählen. Das vermittelt ihnen das Gefühl mitreden zu können, dabei zu sein und dann fällt ihnen auch wieder so manch alter Spruch oder manch altes Lied ein.“
Abschließend haben die beiden Alltagsbegleiterinnen für eine ihrer KundInnen auch noch ein kleines Gedicht verfasst:

Griaß di Gott, Frau Meier!

Dein Alltag schaffst fast ganz allan,

du kimmst a scho vü schnölla wieder ins Gwond,

beim Kochen host a guate Tipps und zoagst ma oft an olten Trick

Wonn wir regelmäßig so weita trainieren und ollahond Sochn ausprobieren,

dann wirst schon sehn und gibst ma Recht,

mehr mitdenken und a bissl bewegen is net schlecht.

10. Dezember 2020

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